Gesamtkostenverfahren

Gesamtkostenverfahren Definition

Das Gesamtkostenverfahren (kurz: GKV) nach § 275 Abs. 2 HGB ist eine der beiden Darstellungsformen für die Gewinn- und Verlustrechnung (§ 275 Abs. 1 HGB).

Die Gliederung der GuV erfolgt dabei nach Aufwandsarten (Materialaufwand, Personalaufwand, Abschreibungen etc.).

Durch das BilRUG (Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz) entfallen das außerordentliche Ergebnis und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ab 2016 aus dem GuV-Schema für das Gesamtkostenverfahren (GuV-Posten Nr. 14 bis 17). Zudem wird eine neue Zwischensumme Ergebnis nach Steuern nach dem GuV-Posten Steuern vom Einkommen und Ertrag eingefügt. Für die GuV des Geschäftsjahrs 2015 gilt noch das Schema unten.

Gesamtkostenverfahren Beispiel

Eine GuV nach dem Gesamtkostenverfahren nach § 275 Abs. 2 HGB sieht (mit beispielhaften Zahlen) wie folgt aus:

Aufbau und Gliederung GuV nach dem Gesamtkostenverfahren
  1. Umsatzerlöse 10.000.000
+/- 2. Erhöhung oder Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen 2.000.000
+ 3. andere aktivierte Eigenleistungen 1.000.000
+ 4. sonstige betriebliche Erträge 200.000
  5. Materialaufwand  
-   a) Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren 3.000.000
-   b) Aufwendungen für bezogene Leistungen 200.000
  6. Personalaufwand  
-   a) Löhne und Gehälter 4.000.000
-   b) soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und für Unterstützung 1.000.000
  7. Abschreibungen  
-   a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen 1.000.000
-   b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten 0
- 8. Sonstige betriebliche Aufwendungen 2.000.000
=   Betriebsergebnis (EBIT) 2.000.000
+ 9. Erträge aus Beteiligungen 100.000
+ 10. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens 150.000
+ 11. sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 100.000
- 12. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens 50.000
- 13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen 800.000
= 14. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 1.500.000
+ 15. Außerordentliche Erträge 200.000
- 16. Außerordentliche Aufwendungen 100.000
= 17. Außerordentliches Ergebnis 100.000
- 18. Steuern vom Einkommen und Ertrag 400.000
- 19. Sonstige Steuern 0
= 20. Jahresüberschuss 1.200.000

In einer "echten" GuV müssten noch zusätzlich in einer weiteren Spalte die Vorjahreszahlen angegeben werden (§ 265 Abs. 2 Satz 1 HGB).

Das Betriebsergebnis / EBIT ist in der gesetzlichen Gliederung nicht enthalten, wird hier aber als Zwischensumme und wichtige Kennzahl wiedergegeben.

GuV-Posten, die keinen Wert enthalten und auch im Vorjahr keinen Wert enthielten, müssen nicht mit aufgeführt werden: Hat das Unternehmen keine sonstigen betrieblichen Erträge, entfällt der GuV-Posten Nr. 4 und die GuV wird dadurch kürzer und übersichtlicher.