Definition
Eine Aktienanleihe ist eine Anleihe, bei welcher der Emittent (zum Beispiel eine Bank) das Recht hat, statt der Rückzahlung der Anleihe in Geld Aktien des Unternehmens, auf das sich die Aktienanleihe bezieht, zu liefern.
Kurzbeispiel: Die Bank B nimmt für 1 Jahr eine Anleihe über 1.000 Euro bei Anleger A auf. Nach einem Jahr kann B dem A 1.000 Euro zurückbezahlen oder dem A 20 Aktien vom Unternehmen U liefern.
Aktienanleihen werden auch als Reverse Convertible Bond bezeichnet. Im Unterschied zur klassischen Wandelanleihe (Convertible Bond), bei der der Gläubiger Aktien verlangen kann, liegt das Andienungsrecht bei der Aktienanleihe beim Schuldner – daher der Name „Umgekehrte Wandelanleihe“.
Dem Anleihegläubiger muss der Emittent für das Risiko, dass ihm (im Kurs gesunkene) Aktien angedient werden können, einen im Vergleich zu normalen Anleihen höheren Zinssatz bieten.
Alternative Begriffe: Aktien-Anleihe, Aktienandienungsanleihe.
Beispiel
Beispiel Aktienanleihe einer Bank
Eine Bank gibt zum 1. Januar 01 Aktienanleihen im Nennwert von jeweils 1.000 € aus, die sich auf Stammaktien der Huber AG beziehen.
Die Daten:
- Die Laufzeit ist 1 Jahr,
- der Zinssatz beträgt 10 %,
- der Aktienkurs der Huber AG - Aktien am 1. Januar 01 sei 100 €,
- die in der Aktienanleihe vereinbarte sogenannte "Barriere" sei 80 % dieses Kurses, also 80 €,
- das Bezugsverhältnis sei 10 zu 1 (10 Aktien für 1.000 € Nennwert).
Nach einem Jahr muss die Bank die Anleihe zurückzahlen, das kann in Abhängigkeit des Kurses der Aktien der Huber AG auf 2 Arten erfolgen:
| Aktienkurs am Laufzeitende | Rückzahlungsform |
|---|---|
| ≥ Barriere (im Beispiel: ≥ 80 €) | Rückzahlung zum Nennbetrag (1.000 €) |
| < Barriere (im Beispiel: < 80 €) | Andienung von Aktien (10 Stück × Kurswert) |
Fällt der Börsenkurs der Huber AG zum Beispiel am Ende der 1-jährigen Laufzeit auf 60 € (und damit unter die Barriere von 80 €), erhält der Zeichner der Aktienanleihe von der Bank als Gegenwert für 1.000 € Anleihenennwert lediglich 10 Aktien im Wert von 60 €, das heißt 600 € zurück (neben den 100 € Zinsen).
Den höheren Zinsen einer Aktienanleihe steht also ein hohes Verlustrisiko gegenüber (im Beispiel 400 €), bis hin zum totalen Verlust des Kapitals bei einer Insolvenz des Unternehmens bzw. einem Aktienkurs von 0 Euro.
Das Risiko hängt davon ab, wie volatil (schwankend) der Aktienkurs der zugrundeliegenden Aktie ist.
Fazit
- Definition: Eine Aktienanleihe ist eine Anleihe, bei der der Emittent das Recht hat, den Nennbetrag statt in Geld in Aktien des Basiswerts zurückzuzahlen (Andienungsrecht).
- Zinsausgleich: Der Emittent bietet einen höheren Zinssatz als bei normalen Anleihen – als Ausgleich für das vom Anleger übernommene Kursrisiko.
- Verlustrisiko: Fällt der Aktienkurs unter die vereinbarte Barriere, erhält der Anleger Aktien statt Geld – der Kapitalverlust kann erheblich sein.
- Abgrenzung: Im Unterschied zur Wandelanleihe (Convertible Bond) liegt das Andienungsrecht beim Schuldner, nicht beim Gläubiger.
Selbsttest: Aktienanleihe
Aufgabe: Aktienanleihe
Eine Bank gibt Aktienanleihen im Nennwert von je 2.000 € aus (Laufzeit: 1 Jahr, Zinssatz: 12 %). Die Aktienanleihe bezieht sich auf Aktien der Meier AG; der Aktienkurs beträgt zum Ausgabezeitpunkt 50 €, die Barriere liegt bei 80 % dieses Kurses, das Bezugsverhältnis beträgt 40:1.
Am Laufzeitende notiert die Aktie bei 35 €.
a) Berechnen Sie den Rückzahlungswert der Aktienanleihe.
b) Berechnen Sie den Kapitalverlust des Anlegers.
Prüfung: 35 € < Barriere (80 % × 50 € = 40 €) → Rückzahlung in Aktien.
a) Rückzahlungswert:
40 Aktien × 35 € = 1.400 €
b) Kapitalverlust:
2.000 € − 1.400 € = 600 €