Definition
Ein inferiores Gut (inferior lateinisch für schwächer, untergeordnet, unterlegen) ist ein Gut, das bei steigendem Einkommen weniger nachgefragt wird.
Das ist insofern auf den ersten Blick ungewöhnlich, als man sich ja eigentlich bei einem höheren Einkommen mehr leisten kann.
Aber: Konsumenten ersetzen einfachere, günstigere Produkte durch höherwertigere und teurere Produkte, wenn das Einkommen steigt und dadurch sinkt die Nachfrage nach diesen ersetzten, inferioren Gütern.
Es handelt sich bei "inferior" nicht direkt um eine Eigenschaft des Gutes, sondern um eine Definition danach, wie das Gut auf Einkommenssteigerungen reagiert.
Beispiele
Steigen die Einkommen, werden vielleicht
- weniger Wohnungen, dafür aber mehr Häuser nachgefragt,
- weniger Bier, dafür mehr Wein,
- weniger Eier der Haltungsform 2 (Bodenhaltung), aber mehr Eier der Haltungsform 0 (ökologische Erzeugung, Bio),
- weniger Schokolade, mehr Pralinen,
- weniger Sekt, mehr Champagner nachgefragt.
An den Beispielen sieht man, dass inferiore Güter gar nicht so ungewöhnlich sind.
Zahlenbeispiel
Wir rechnen mit kleinen Zahlen:
Ein Haushalt mit einem Einkommen von 88 € konsumiert ausschließlich Süßigkeiten: im Februar mit 28 Tagen an 24 Tagen je eine Tafel Schokolade für 2 € (in Summe 48 €) und an 4 Sonntagen je eine Schachtel Pralinen für 10 € (in Summe 40 €).
Steigt nun das Einkommen beispielsweise auf 104 €, beschließt die Familie, auch jeden zweiten Samstag Pralinen zu essen. Im Ergebnis: an 22 Tagen Schokolade (in Summe 44 €) und an 6 Tagen Pralinen (in Summe 60 €).
Schokolade wäre hier ein inferiores Gut, einfach weil es so (mit geringerer Nachfrage) auf eine Steigerung des Einkommens reagiert.
Bedeutung für VWL und Marketing
Der Begriff inferiores Gut wird zwar vor allem in der Mikroökonomie / VWL verwendet, aber natürlich ist es auch aus Marketingsicht für Absatzplanungen und Businesspläne interessant, ob Produkte bei mehr Wohlstand weniger nachgefragt werden (insbesondere in Ländern, die sich wirtschaftlich stark entwickeln).
Zusammenhänge
Es gibt mehrere Zusammenhänge mit mikroökonomischen Konzepten:
Die Einkommenselastizität, also die Änderung der Nachfragemenge für ein bestimmtes Produkt, die aus einer Erhöhung des Einkommens resultiert, ist negativ.
Der Einkommenseffekt – einer der beiden Effekte, der auf die Nachfragemenge bei einer Preisänderung des betrachteten Guts wirkt (der andere ist der Substitutionseffekt) – ist positiv.
Gegenstück: superiore Güter
Das Gegenstück sind superiore Güter (superior lateinisch für stärker, überlegen), die bei steigendem Einkommen überproportional stark nachgefragt werden.
Zum Beispiel mehr Urlaubsreisen, mehr Wein, mehr Tickets für Musikveranstaltungen oder Sportereignisse.
Selbsttest: Inferiores Gut
Aufgabe: Inferiores Gut identifizieren
Ein Haushalt konsumiert zwei Güter: Instantnudeln (Gut 1, Preis 1,50 €/Packung) und Bio-Pasta (Gut 2, Preis 5,00 €/Packung). Bei einem Einkommen von m = 60 € kauft er 30 Packungen Instantnudeln und 3 Packungen Bio-Pasta.
a) Überprüfen Sie, ob das Budget vollständig ausgeschöpft wird.
b) Das Einkommen steigt auf m = 90 €. Der Haushalt kauft nun 10 Packungen Instantnudeln und 15 Packungen Bio-Pasta. Überprüfen Sie das neue Budget.
c) Welches der beiden Güter ist inferior? Begründen Sie Ihre Antwort.
a) Budget-Probe m = 60 €:
30 · 1,50 € + 3 · 5,00 € = 45 € + 15 € = 60 € ✓
b) Budget-Probe m = 90 €:
10 · 1,50 € + 15 · 5,00 € = 15 € + 75 € = 90 € ✓
c) Inferiores Gut:
Die Nachfrage nach Instantnudeln sinkt von 30 auf 10 Packungen, obwohl das Einkommen gestiegen ist.
→ Instantnudeln (Gut 1) sind das inferiore Gut: Bei mehr Einkommen werden sie durch das höherwertige Substitut Bio-Pasta ersetzt.
Bio-Pasta hingegen wird stärker nachgefragt (3 → 15) – sie ist ein normales oder superiores Gut.