Positive und normative Theorie

Positive und normative Theorie Definition

Die VWL-Analyse hat zwei Richtungen, die 1) positive und 2) die normative Theorie:

Die Positive Theorie beobachtet, misst Daten, wertet Statistiken aus, beschreibt Sachverhalte und Fakten, ohne sie zu werten, und versucht Zusammenhänge zu erkennen (der Ökonom ist wie ein Forscher im Labor); sie untersucht, warum bestimmte wirtschaftspolitische Entscheidungen bzw. Lösungen für ökonomische Probleme einer Volkswirtschaft beobachtbar sind.

Beispiel "positiv":

Eine Erhöhung der Umsatzsteuer – und damit bei Überwälzung auf die Konsumenten eine Erhöhung der Preise für Verbraucher – führt zu einer Verringerung der Nachfrage.

Besser (weil genauer): eine 2 %-ige Umsatzsteuererhöhung führt zu einem 3 %-igen-Nachfragerückgang.

Die Normative Theorie hingegen macht Aussagen darüber, was – z. B. aus ethischen oder Gerechtigkeitsnormen heraus – sein sollte bzw. wie ökonomische Probleme gelöst werden sollten (der Ökonom in einer Rolle als Berater, Mahner, Anwalt einer Sache); sie sucht nach Begründungen für staatliche Wirtschaftspolitik.

Beispiel "normativ":

Ein Mindestlohn sollte eingeführt werden, um Einkommen (einer Volkswirtschaft) gerechter zu verteilen.

Die beiden Richtungen – positiv und normativ – sind aber kein Entweder-Oder; in vielen Fällen laufen sie zusammen und Ökonomen lassen einer Diagnose eine Wertung und Heilungsvorschläge folgen.

(Fiktives) Beispiel "positiv und normativ":

Statistiken zeigen, dass sich die Einkommensverteilung in Deutschland über die letzten Jahre zugunsten "der Oberschicht" verschoben hat (positiv); durch geringere Eingangs- und höhere Spitzensteuersätze sollte dieser Entwicklung aus Gründen der Verteilungsgerechtigkeit entgegengewirkt werden (normativ).

Manchmal unterscheidet man auch mit anderen Begriffen: deskriptiv (beschreibend) vs. präskriptiv (vorschreibend).

Alternative Begriffe: Positive und normative Analyse, Positive und normative Ökonomie, Positive und normative Ökonomik.