Definition
Neutraler Aufwand ist der (in der Gewinn- und Verlustrechnung verbuchte) Aufwand, der im Rahmen der Kostenrechnung nicht berücksichtigt wird.
Dabei kann es sich um
- betriebsfremde Aufwendungen (zum Beispiel Spenden, Beteiligungsverkäufe),
- periodenfremde Aufwendungen (zum Beispiel Gutschriften für das vergangene Geschäftsjahr, Steuernachzahlung nach Betriebsprüfung) oder
- außerordentliche Aufwendungen (zum Beispiel Flut- bzw. Hochwasserschäden)
handeln.
Die neutralen Aufwendungen werden deshalb nicht in die Kostenrechnung einbezogen, da sie die Produktkalkulation und auch das (durch Kostenrechnung ermittelte) Betriebsergebnis verzerren würden.
Das Gegenstück zum neutralen Aufwand ist der auch als Grundkosten bezeichnete Zweckaufwand bzw. Betriebsaufwand, der der betrieblichen Leistungserstellung in der Abrechnungsperiode dient und bei der Kostenkalkulation entsprechend berücksichtigt wird.
Der neutrale Aufwand bildet zusammen mit dem neutralen Ertrag das neutrale Ergebnis.
Alternative Begriffe: Neutrale Aufwendungen.
Beispiele
Beispiele für neutrale Aufwendungen
Leistet zum Beispiel ein Fahrradhersteller anlässlich des 50-jährigen Firmenjubiläums eine Spende in Höhe von 10.000 € an den örtlichen Kindergarten, soll dieser Betrag ebenso wenig in die Produktkalkulation der Fahrräder eingehen wie zum Beispiel ein einmaliger Hochwasserschaden in der Produktionshalle.
In der Buchführung hingegen werden die 10.000 € (und auch der Hochwasserschaden) als Aufwand verbucht; sie mindern das Vermögen (warum oder wofür ist für die Buchführung bzw. Gewinnermittlung egal).
Zweckaufwand
Aufwendungen wie Löhne, Mieten, Materialkosten oder Abschreibungen hingegen gehen als Zweckaufwand in die Produktkalkulation ein.
Zweckaufwendungen und neutraler Aufwand müssen in der Kostenartenrechnung abgegrenzt werden.
Fazit
- Neutraler Aufwand ist ein in der GuV erfasster Aufwand, der in der Kostenrechnung nicht berücksichtigt wird – er würde Produktkalkulation und Betriebsergebnis verzerren
- Drei Arten: betriebsfremder Aufwand (z. B. Spenden, Verluste aus Beteiligungsverkäufen), periodenfremder Aufwand (z. B. Steuernachzahlungen aus Vorjahren) und außerordentlicher Aufwand (z. B. Hochwasserschäden)
- Gegenstück ist der Zweckaufwand (= Grundkosten): betriebsbezogen, periodenrichtig und nicht außerordentlich – fließt als Kosten in die KLR ein
- Zusammen mit dem neutralen Ertrag bildet er das neutrale Ergebnis; in der Praxis ist neutraler Aufwand die Ausnahme
Selbsttest: Neutraler Aufwand
Aufgabe: Neutralen Aufwand klassifizieren
Ein produzierendes Unternehmen weist für das Geschäftsjahr 01 folgende Aufwendungen aus:
- Fertigungslöhne der Produktionsmitarbeiter: 240.000 €
- Spende an den örtlichen Sportverein: 5.000 €
- Steuernachzahlung aus der Betriebsprüfung des Vorjahres: 18.000 €
- Abschreibungen auf Produktionsmaschinen: 30.000 €
- Hochwasserschaden an der Produktionshalle: 12.000 €
Klassifizieren Sie jeden Aufwand als Zweckaufwand oder neutralen Aufwand. Bei neutralem Aufwand: Welche der drei Arten liegt vor?
1. Fertigungslöhne: Zweckaufwand (betrieblich, periodenrichtig, nicht außerordentlich)
2. Spende: Neutraler Aufwand – betriebsfremd (kein Bezug zur Leistungserstellung)
3. Steuernachzahlung Vorjahr: Neutraler Aufwand – periodenfremd (betrifft ein abgelaufenes Geschäftsjahr)
4. Abschreibungen: Zweckaufwand (betriebsnotwendige Kosten der aktuellen Periode)
5. Hochwasserschaden: Neutraler Aufwand – außerordentlich (einmaliges, nicht regelmäßig anfällendes Ereignis)