Risikoloser Zinssatz

Risikoloser Zinssatz Definition

Der risikolose Zinssatz wird für die Bestimmung der Kapitalkosten in dem Capital Asset Pricing Model (CAPM) bzw. in der Unternehmensbewertung benötigt.

Was bedeutet risikolos in dem Zusammenhang?

Beispiel

Bei einer 1.000 € - Anleihe mit einem Jahr Laufzeit vom 1. Januar bis 31. Dezember und einem Nominalzins von 2 % bedeutet risikolos: der Anleger weiß am 1. Januar, dass er am 31. Dezember 20 € Zinsen und den Nominalbetrag von 1.000 € zurück bekommt.

Es besteht kein Risiko, dass der Schuldner nicht bezahlen kann, dass die Rendite nicht 2 % ist und es besteht auch kein Währungsrisiko (das wäre bei einer US-Dollar-Anleihe anders).

Als risikoloser Zinssatz werden in der Regel die Zinssätze von Staatsanleihen bester Bonität mit langen Laufzeiten (zum Beispiel von 10 bis 20 Jahren) in der jeweils betrachteten Währung verwendet (zum Beispiel deutsche Bundesanleihen für Euro, US-Staatsanleihen für US-Dollar).

Alternativ werden auch risikolose Zinsstrukturkurven berechnet, die verschiedene Laufzeiten berücksichtigen.

Unternehmensanleihen hingegen sind nicht risikolos; sie können zwar je nach wirtschaftlicher Lage des Unternehmens relativ sicher sein, aber letztlich kann jedes Unternehmen über die Zeit in Schwierigkeiten geraten und im schlechtesten Fall insolvent werden; dadurch besteht ein Ausfallrisiko für die Gläubiger. Dasselbe gilt für Anleihen wirtschaftlich schwacher oder stark verschuldeter Länder.

Alternative Begriffe: Risikofreier Zinssatz, sicherer Zinssatz.

Bedeutung

Der risikolose Zins stellt eine Basisgröße für Kapitalmarktmodelle und Unternehmensbewertungen dar.

Würde man ein Unternehmen bewerten, dessen Ausfallrisiko Null ist (zum Beispiel weil der Staat bürgen würde), würde man die zukünftigen Zahlungsüberschüsse des Unternehmens mit dem risikolosen Zins abzinsen.

In der Realität hingegen gilt: Je höher das Ausfallrisiko eingeschätzt wird, desto mehr wird auf den risikolosen Zinssatz als Risikoprämie aufgeschlagen, zum Beispiel: risikoloser Zins 2 % plus Risikoprämie 5 % = 7 %; und man rechnet dann mit diesem Zins.

Vorgabe für „offizielle“ Unternehmensbewertungen

Der IDW S 1 i.d.F. 2008 (Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen) des Instituts der Wirtschaftsprüfer verlangt zum Beispiel, für die Ermittlung des Kalkulationszinses bzw. der gewichteten Kapitalkosten (WACC) zunächst den risikofreien Basiszins zu bestimmen.

Dafür soll auf von der Bundesbank veröffentlichte Daten zurückgegriffen werden.