Definition
Der Begriff Tax Shield (deutsch: "Steuerschild") hat diesen Hintergrund: Fremdkapitalzinsen etwa für Kredite sind steuerlich abzugsfähig, mindern also den Gewinn und damit die Steuerlast.
Im Gegensatz dazu sind Vergütungen, die Eigenkapitalgeber erhalten (Dividenden) nicht steuerlich abzugsfähig, sondern werden aus dem versteuerten Gewinn geleistet.
Fremdkapital hat also steuerliche Vorteile gegenüber Eigenkapital, es ist bildlich gesprochen wie ein Schutzschild gegen das Steuerschwert.
Beispiel: Tax Shield
Eine Bäckerei hat zwei Filialen, eine in München, eine in Hamburg.
Beide Filialen machen jeweils einen operativen Gewinn (Umsätze - Aufwendungen) von 1 Mio. €.
Der Gewinnsteuersatz sei deutschlandweit einheitlich 30 %.
Ohne vs. mit Tax Shield
Ohne Tax Shield
Die Münchner Filiale sei vollkommen eigenkapitalfinanziert, hat also keine Schulden und muss keine Zinsen zahlen.
Auf ihren Gewinn von 1 Mio. € zahlt sie 30 % = 300.000 € Gewinnsteuern; es bleiben 700.000 € Gewinn übrig.
Mit Tax Shield
Die Hamburger Filiale hingegen ist stark fremdkapitalfinanziert, hat Bankschulden in Höhe von 4 Mio. €, für die sie jährlich 5 % Zinsen = 200.000 € zahlen muss.
Von ihrem operativen Gewinn von 1 Mio. € werden deshalb noch (in der Buchführung und in der Steuerberechnung) 200.000 € Zinsaufwendungen abgezogen, so dass ein Vorsteuergewinn von 800.000 € bleibt.
Darauf zahlt sie 30 % = 240.000 € Gewinnsteuern; es bleiben 800.000 € - 240.000 € = 560.000 € Gewinn übrig.
Ergebnis
Die fremdkapitalfinanzierte Filiale muss zwar 200.000 € Zinsen bezahlen, dafür muss sie aber um 60.000 € geringere Steuern leisten.
Der Gewinn ist deshalb nur um 140.000 € geringer (dafür muss nicht der Eigentümer die 4 Mio. € Kapital aufbringen, sondern kann sie anderweitig anlegen / investieren).
Fazit / Konsequenzen
Der Tax Shield bedeutet:
- Eine Fremdkapitalfinanzierung senkt generell die Steuerlast (zumindest in Deutschland und vielen anderen Ländern);
- Es ist für den Unternehmenswert nicht egal, ob bzw. in welchem Ausmaß das Unternehmen mit Eigen- oder Fremdkapital finanziert ist, da Kapital nicht gleich Kapital ist und Eigenkapital steuerlich benachteiligt wird.
Fazit
- Formel: Tax Shield = Fremdkapitalzinsen × Steuersatz — die jährliche Steuerersparnis durch steuerlich abzugsfähige Zinsen.
- Fremdkapitalzinsen mindern den steuerpflichtigen Gewinn; Dividenden (Eigenkapitalvergütung) dagegen nicht.
- Folge: Fremdkapital ist ceteris paribus steuerlich günstiger als Eigenkapital — relevant für Kapitalstrukturentscheidungen.
- In der Unternehmensbewertung (APV-Methode) wird der Barwert aller künftigen Tax Shields gesondert berechnet.
Selbsttest: Tax Shield
Aufgabe: Tax Shield berechnen
Ein Unternehmen hat Bankverbindlichkeiten von 3.000.000 € zu einem Zinssatz von 5 % p.a. Der Körperschaftsteuersatz beträgt 25 %.
Berechnen Sie den jährlichen Tax Shield und erläutern Sie, um wie viel geringer die Steuerbelastung gegenüber einer rein eigenkapitalfinanzierten Variante ist.
Zinsaufwand: 3.000.000 × 0,05 = 150.000 €
Tax Shield: 150.000 × 0,25 = 37.500 €
Interpretation: Das Unternehmen zahlt jährlich 37.500 € weniger Steuern als eine identisch aufgestellte Firma ohne Fremdkapital. Die Zinslast von 150.000 € mindert den steuerlichen Gewinn, wodurch sich die Steuerlast entsprechend reduziert.