Zinstender

Zinstender Definition

Der Zinstender ist eines der Tenderverfahren (Auktions- bzw. Zuteilungsverfahren), mit denen Zentralbanken die Geschäftsbanken kurzfristig mit Zentralbankgeld bzw. Liquidität im Rahmen von Hauptrefinanzierungsgeschäften versorgen und dafür Zinsen von diesen erhalten.

Bei einem Zinstender legt die Zentralbank das maximale Kreditvolumen sowie einen Mindestbietungssatz für den Zins fest; die einzelnen Geschäftsbanken können anmelden, wieviel Geld sie zu welchem Zinssatz (oberhalb des Mindestzinses) abnehmen würden und die Zentralbank entscheidet nach der Gebotsfrist über die Zuteilung und den Zinssatz.

Das höchste Zinsgebot wird zunächst (möglichst vollständig) bedient, anschließend das zweithöchte Zinsgebot usw.

Das ist eine klassische Auktion, wobei man hier noch das holländische und amerikanische Auktionsverfahren unterscheidet:

  • holländisch: die Bieter-Banken erhalten ihr Zentralbankgeld zu einem einheitlichen Zinssatz; zuerst werden aber die Banken, die die höchsten Zinssätze geboten haben, bedient;
  • amerikanisch: die Bieter-Banken erhalten ihr Zentralbankgeld jeweils zu dem Zinssatz, den sie geboten haben.

Ein weiteres, alternatives Tenderverfahren ist der Mengentender.

Beispiel

Beispiel Zinstender

Die Europäische Zentralbank nimmt Offenmarktgeschäfte i. H. v. 1.000.000.000 € (1 Mrd. €) im "amerikanischen" Zinstenderverfahren vor.

Der Mindestzinssatz, den Geschäftsbanken bieten müssen, beträgt 3 %.

Angenommen, es gibt nur zwei Banken A und B.

A meldet an, 200 Mio. € zu 4 % aufnehmen zu wollen; bei 3,8 % würde sie 800 Mio. € zusätzlich aufnehmen.

B würde 600 Mio. € zu 4 % aufnehmen, bei 3,6 % würde sie 1.200 Mio. € zusätzlich aufnehmen.

Zu einem Zinssatz von 4 % werden also in Summe 800 Mio. € aufgenommen: A erhält 200 Mio. € zu 4 % und B erhält 600 Mio. € zu 4 %.

Von dem maximalen Zuteilungsbetrag von 1.000 Mio. € bleiben zunächst 200 Mio. € übrig. Diese 200 Mio. € erhält jetzt A zu 3,8 % (nur sie hat zu diesem Zinssatz zusätzlichen Bedarf angemeldet).