Derivate Definition
Derivate (auch: derivative Finanzinstrumente) sind Finanzkontrakte, deren Wert vom Wert eines Basiswerts abhängt und von diesem abgeleitet wird (lat. derivare = ableiten).
Beispiel: Eine Kaufoption auf die Aktie der A-AG mit einem Ausübungspreis von 100 €: Steigt der Aktienkurs auf 200 €, ist die Option viel wert; fällt er auf 50 €, ist sie wertlos. Der Wert der Option leitet sich vollständig aus dem Aktienkurs ab.
Alternative Begriffe: Finanzderivate, derivative Finanzinstrumente.
Basiswert und Hebelwirkung
Als Basiswert (auch: Underlying) kommen in Frage:
- Wertpapiere (Aktien, Anleihen, Indizes)
- Rohstoffe (Öl, Gold, Weizen, Holz)
- Währungen (EUR/USD, EUR/JPY)
- Zinssätze (EURIBOR, SOFR)
- Kreditrisiken (Ausfallwahrscheinlichkeit eines Schuldners)
Charakteristisch ist die Hebelwirkung: Kleine Veränderungen des Basiswerts führen zu überproportional großen Wertveränderungen des Derivats. Das erhöht sowohl die Gewinnchancen als auch das Verlustrisiko erheblich.
Anwendungszwecke
Risikosicherung (Hedging)
Unternehmen setzen Derivate ein, um sich gegen unerwünschte Preisentwicklungen abzusichern:
- Währungsrisiko: Ein Importeur kauft in drei Monaten Devisen zum heutigen Kurs (Devisenforward).
- Zinsrisiko: Ein Kreditnehmer sichert sich einen Höchstzinssatz (Cap).
- Rohstoffrisiko: Eine Airline kauft Kerosin-Futures, um sich gegen steigende Ölpreise zu schützen.
Spekulation
Derivate können auch zur Spekulation auf zukünftige Kurs-, Preis- oder Zinsentwicklungen eingesetzt werden. Da für einen relativ geringen Kapitaleinsatz große Positionen eingegangen werden, sind die möglichen Gewinne — aber auch die Verluste — entsprechend hoch.
Arten von Derivaten
| Derivatetyp | Verpflichtung | Typische Instrumente |
|---|---|---|
| Termingeschäfte | Unbedingt (Käufer und Verkäufer müssen erfüllen) | Futures, Forward Rate Agreements, Caps, Floors, Collars |
| Optionen | Bedingt (Käufer hat Recht, nicht Pflicht) | Call-Option, Put-Option, Swaption |
| Swaps | Unbedingt (gegenseitiger Tausch von Zahlungsströmen) | Zinsswap, Devisenswap, Credit Default Swap |
Lernziele
Nach diesem Abschnitt können Sie …
- erklären, wie der Wert eines Derivats vom Basiswert abhängt, und das Prinzip der Hebelwirkung beschreiben,
- die Einsatzzwecke Risikosicherung (Hedging) und Spekulation voneinander abgrenzen und Praxisbeispiele zuordnen,
- die drei Hauptkategorien Termingeschäfte, Optionen und Swaps unterscheiden und erläutern, ob eine Verpflichtung oder ein Recht vorliegt,
- die wichtigsten Termingeschäfte (Futures, Forward Rate Agreement, Cap, Floor, Collar) benennen und einordnen,
- Funktionsweise und Anwendungsfälle von Zinsswap, Devisenswap und Credit Default Swap erläutern.
Fazit
Derivate leiten ihren Wert von einem Basiswert ab — Aktie, Rohstoff, Zinssatz oder Kreditrisiko.
Die drei Grundformen sind Termingeschäfte (unbedingte Verpflichtung beider Seiten), Optionen (Recht, aber keine Pflicht des Käufers) und Swaps (Tausch von Zahlungsströmen).
Hebelwirkung: Kleine Bewegungen des Basiswerts erzeugen überproportionale Derivatewertveränderungen.
Selbsttest: Derivate
Aufgabe: Derivate einsetzen und einordnen
Die Importfirma Müller GmbH kauft regelmäßig Rohstoffe in US-Dollar. Für eine Lieferung in 3 Monaten werden 500.000 USD benötigt. Aktueller EUR/USD-Kurs: 1,10 (d. h. 1 € = 1,10 USD). Die Geschäftsführung fürchtet eine Euro-Abwertung.
- Wie hoch sind die Kosten der Lieferung in Euro beim aktuellen Kurs von 1,10?
- Der Kurs fällt bis zur Lieferung auf EUR/USD 1,00. Wie viel kostet die Lieferung nun, und wie hoch ist der Mehraufwand gegenüber dem aktuellen Kurs?
- Das Unternehmen sichert sich über ein Devisentermingeschäft den Kurs 1,10 für 3 Monate. Um welche Derivatekategorie handelt es sich, und welchem Zweck dient das Instrument?
Lösung
1. Kosten bei Kurs 1,10:
500.000 USD ÷ 1,10 = ca. 454.545 €
2. Kosten bei Kurs 1,00 (Euro abgewertet):
500.000 USD ÷ 1,00 = 500.000 €
Mehraufwand: 500.000 € − 454.545 € = ca. 45.455 €
3. Einordnung des Devisentermingeschäfts:
Ein Devisentermingeschäft (Devisenforward) gehört zur Kategorie der unbedingten Termingeschäfte: Beide Seiten (Käufer und Verkäufer) haben die Pflicht (kein Recht), die Transaktion zum vereinbarten Kurs durchzuführen.
Zweck: Risikosicherung (Hedging) — das Währungsrisiko wird eliminiert. Unabhängig davon, wie sich der EUR/USD-Kurs entwickelt, zahlt die Müller GmbH immer 454.545 € für die Lieferung.