Definition
Natural Hedging könnte man mit „natürliche Absicherung“ übersetzen. Gemeint ist Absicherung gegen Währungsrisiken bzw. Wechselkursschwankungen.
Grundidee
Nimmt z. B. ein in Deutschland produzierender Autohersteller jährlich aus Fahrzeugverkäufen in den USA viele US-Dollar ein, hat er ein hohes Währungsrisiko:
Der deutsche Hersteller bilanziert und rechnet in Euro und zahlt auch seine Löhne in Euro; wird der US-Dollar schwach im Verhältnis zum Euro, sind die eingenommenen US-Dollar in Euro gerechnet weniger wert.
Beispiel
Angenommen, die Selbstkosten der in den USA verkauften Autos seien 4,5 Mrd. € (soviel kosten Herstellung und Vertrieb); der Umsatz in den USA sei 5 Mrd. US-Dollar.
Ist der Kurs z. B. 1 Euro = 1 US-Dollar, sind die 5 Mrd. US-Dollar = 5 Mrd. Euro und der Autohersteller macht 5 Mrd. € - 4,5 Mrd. € = 0,5 Mrd. € Gewinn.
Verliert des US-Dollar an Wert, z. B. 1 Euro = 1,25 US-Dollar, sind die 5 Mrd. US-Dollar nur noch 4 Mrd. Euro wert.
Nun macht der Autohersteller 4 Mrd. € - 4,5 Mrd. € = -0,5 Mrd. € Verlust – nur weil sich die Wechselkurse geändert haben, sonst nichts.
Die Lösung
Um dieses Risiko zu reduzieren, könnte der Autohersteller
- in US-Dollar berechnete Rohstoffe, Materialien und Bauteile kaufen;
- eine Fabrik in den USA gründen und dort die Gehälter, Mieten usw. in US-Dollar bezahlen.
Es geht also beim Natural Hedging darum, eingenommene Fremdwährungen entsprechend auch wieder auszugeben und so einen natürlichen Ausgleich zu schaffen.
Das ist in Wirklichkeit komplexer, da globale Unternehmen ja viele Fremdwährungen einnehmen, z. B. auch japanische Yen oder ägyptische Pfund (aber es gibt natürlich je nach Absatzregion Schwerpunkte bei den Währungen).
Das "natural" bzw. "natürlich" grenzt von abstrakten Derivaten ab, mit denen man Währungsrisiken vertraglich finanziell absichern kann.
Alternative Begriffe: Natürliches Hedging, Natural Hedge.
Fazit
- Natural Hedging (natürliche Absicherung) reduziert Währungsrisiken operativ: eingenommene Fremdwährungen werden auch wieder in derselben Währung ausgegeben — ohne Finanzderivate.
- Kernprinzip: Wer USD einnimmt, sollte auch USD-Kosten haben (Löhne, Material, Mieten in der US-Fabrik), damit Kursschwankungen Einnahmen und Ausgaben gleichermaßen treffen.
- Natural Hedging eignet sich besonders bei konzentrierten Fremdwährungspositionen; bei vielen Währungen bleibt es komplex.
- Abgrenzung: Im Gegensatz zu derivativen Instrumenten (Devisentermingeschäfte, Optionen) erfordert Natural Hedging keine Finanzkonstruktionen, schafft aber operative Abhängigkeiten im Ausland.
Selbsttest: Natural Hedging
Aufgabe: Natural Hedging
Die Europa AG produziert in Deutschland und verkauft in den USA. Ausgangslage:
- US-Umsatz: 8.000.000 USD; Gesamtkosten in EUR: 6.000.000 EUR; Kurs: 1 EUR = 1,00 USD
Szenario A: USD wertet ab auf 1 EUR = 1,25 USD (ohne Natural Hedging).
Szenario B: 5.000.000 USD Kosten in US-Tochter verlagert; 1.000.000 EUR Kosten verbleiben in Deutschland (Kurs: 1 EUR = 1,25 USD).
- Wie hoch ist der Gewinn in EUR im Ausgangsszenario (1 EUR = 1 USD)?
- Wie hoch ist der Gewinn in EUR im Szenario A (ohne Natural Hedging)?
- Wie hoch ist der Gewinn in EUR im Szenario B (mit Natural Hedging)?
- Warum reduziert Natural Hedging das Währungsrisiko?
- Ausgangsszenario: 8.000.000 USD = 8.000.000 EUR; Gewinn = 8.000.000 − 6.000.000 = 2.000.000 EUR
- Szenario A: 8.000.000 ÷ 1,25 = 6.400.000 EUR; Gewinn = 6.400.000 − 6.000.000 = 400.000 EUR
- Szenario B: Netto-USD = 3.000.000 USD → 3.000.000 ÷ 1,25 = 2.400.000 EUR; Gewinn = 2.400.000 − 1.000.000 = 1.400.000 EUR
- USD-Einnahmen und USD-Kosten gleichen sich teilweise aus. Sinkt der USD, sinken Einnahmen und Kosten gleichzeitig — das Nettowährungsrisiko fällt deutlich geringer aus.