Definition
Der Grenzsteuersatz bezieht sich meist auf die Einkommensteuer; hier gibt er an, wieviel % des letzten bzw. zusätzlich verdienten Euros an Einkommensteuer zu zahlen ist.
Beispielhafte Interpretation
Ein Arbeitnehmer hat ein Einkommen von 40.000 €. Sein Gehalt wird um 1 € erhöht, der Grenzsteuersatz betrage 32 %. Vom dem zusätzlich verdienten Euro muss er 32 Cent Steuer abführen (und ihm bleiben 68 Cent).
Es geht nicht wirklich um den letzten Euro, sondern eher um größere Beträge (was bleibt von Gehaltserhöhungen oder Boni übrig?).
Mathematisch ist der Grenzsteuersatz die 1. Ableitung der Steuerbetragsfunktion.
Alternative Begriffe: Marginaler Steuersatz.
Beispiel
Beispiel: Grenzsteuersatz berechnen
Die Steuerbetragsfunktion sei S (Y) = 0,4 × (0,8 Y - 10.000). Dabei ist Y das Einkommen und S (Y) der Einkommensteuerbetrag in Abhängigkeit vom Einkommen.
Die Formel in Worten: vom Einkommen werden nur 80 % in die Bemessungsgrundlage einbezogen und es werden 10.000 € abgezogen (z. B. als Grundfreibetrag); dann wird ein Steuersatz von 40 % auf das Ergebnis angewandt.
Bei einem Verdienst von 40.000 €:
S (40.000) = 0,4 × (0,8 × 40.000 - 10.000) = 8.800 €.
Bei einem Verdienst von 40.001 € (1 € mehr):
S (40.001) = 0,4 × (0,8 × 40.001 - 10.000) = 8.800,32 €.
Auf den 1 € mehr Einkommen sind 32 Cent Steuern zu bezahlen, der Grenzsteuersatz ist 32 %.
Die Steuerbetragsfunktion etwas umgeformt ist S (Y) = 0,4 × 0,8 Y - 0,4 × 10.000 = 0,32 Y - 4.000
Die 1. Ableitung der Steuerbetragsfunktion S' (Y) nach Y ist 0,32.
Bedeutung
Der Grenzsteuersatz bestimmt, ob es sich lohnt, z. B. mehr zu arbeiten und mehr zu verdienen. Wenn der Grenzsteuersatz 90 % wäre, würden dem Steuerpflichtigen von jedem zusätzlichen Euro nur 10 Cent bleiben – da wird er sich den Mehreinsatz überlegen.
Deutschland hat einen progressiven Steuertarif, d. h. der Grenzsteuersatz steigt innerhalb eines bestimmten Bereichs (dessen Grenzen sich regelmäßig ändern) mit zunehmendem Einkommen an; in diesem Bereich muss für zusätzlich verdiente Euro immer mehr abgegeben werden.
Die generelle Steuerbelastung ergibt sich aber eher aus dem Durchschnittssteuersatz.
Fazit
- Der Grenzsteuersatz gibt an, wie viel Prozent des zusätzlich verdienten Euros als Steuer abgeführt werden — im progressiven System steigt er mit dem Einkommen.
- Grenz- und Durchschnittssteuersatz sind unterschiedliche Konzepte: Der Grenzsteuersatz bestimmt den Anreiz zu Mehrarbeit oder Investitionen; der Durchschnittssteuersatz gibt die effektive Gesamtbelastung an.
- Hohe Grenzsteuersätze können Arbeitsanreize dämpfen (Laffer-Effekt): Ab einem bestimmten Niveau lohnt sich Mehrarbeit kaum noch, wenn fast der gesamte Zusatzverdienst versteuert wird.
Aufgabe: Grenzsteuersatz
Ein Arbeitnehmer verdient 45.000 € im Jahr. Er erhält eine Gehaltserhöhung auf 47.500 €. Der Grenzsteuersatz auf diesen Einkommensbereich beträgt 38 %.
Berechnen Sie:
- Den Betrag der Gehaltserhöhung (Δy)
- Die zusätzliche Steuer durch die Gehaltserhöhung (ΔT)
- Den Nettobetrag, der dem Arbeitnehmer von der Gehaltserhöhung verbleibt
Gehaltserhöhung:
Δy = 47.500 − 45.000 = 2.500 €
Zusätzliche Steuer:
ΔT = Grenzsteuersatz × Δy = 0,38 × 2.500 = 950 €
Nettobetrag der Gehaltserhöhung:
Δy − ΔT = 2.500 − 950 = 1.550 €
Von der Gehaltserhöhung verbleiben dem Arbeitnehmer also 1.550 € netto — der Grenzsteuersatz von 38 % zeigt: jeder zusätzlich verdiente Euro wird zu 38 Cent versteuert.
Selbsttest: Grenzsteuersatz
Richtig
Falsch
Richtig
Falsch