Definition
Eine juristische Person – zum Beispiel eine GmbH – ist rechtsfähig: Sie hat eigene Rechte und Pflichten und handelt durch ihre gesetzlichen Vertreter (organschaftliche Vertretung, etwa durch Geschäftsführer bei der GmbH oder Vorstände bei der AG).
Konkret bedeutet das, dass die GmbH Eigentum erwerben kann, Arbeitsverträge schließen kann (die Geschäftsführer unterzeichnen, die GmbH wird dadurch zur Gehaltszahlung verpflichtet), klagen oder durch Geschäftspartner verklagt werden kann (siehe § 13 Abs. 1 GmbHG).
Etwas kürzer definiert § 1 Abs. 1 AktG die Aktiengesellschaft als eine Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit und damit als juristische Person.
Die juristische Person hat Vermögen (aus der Aktivseite der Bilanz ersichtlich) und Schulden (Passivseite der Bilanz).
Die Gesellschaft ist der Kaufmann — und nicht ihre Gesellschafter.
Die grundlegenden Regelungen zu juristischen Personen finden sich in den §§ 21 bis 89 BGB; Kapitalgesellschaften werden darüber hinaus durch Sondergesetze (GmbHG, AktG u. a.) geregelt.
Das Gegenstück zu einer juristischen Person ist die natürliche Person: ein Mensch.
Überblick
Juristische Personen sind vor allem
- Aktiengesellschaft (AG),
- Europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea bzw. SE),
- Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH),
- Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt),
- Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA),
- eingetragene Genossenschaften (eG),
- eingetragene Vereine (e.V.) sowie
- Stiftungen.
Gründe / Vorteile
Es gibt viele Gründe, juristische Personen für eine wirtschaftliche Betätigung zu nutzen:
- Eine juristische Person kann prinzipiell über Jahrhunderte tätig sein, da sie keine vorgegebene Lebensdauer hat.
- Die juristische Person ist im Wesentlichen unabhängig von den Gesellschaftern bzw. Mitgliedern (ein Aktionär kann seine Anteile verkaufen oder vererben, ohne dass dies die Aktiengesellschaft selbst berührt; Ausnahme: Großaktionäre, die starken Einfluss haben).
- Die Haftung kann auf das Vermögen der juristischen Person beschränkt werden, so dass das Privatvermögen der Anteilseigner geschützt wird.
Fazit
- Definition und Rechtsfähigkeit: Eine juristische Person ist eine durch das Recht anerkannte Organisation, die als eigenständiges Rechtssubjekt auftreten und klagen, verklagt werden sowie Verträge schließen kann.
- Kaufmannseigenschaft: Bei einer juristischen Person ist die Organisation selbst der Kaufmann; Handlungen werden dem Unternehmen – nicht dem Geschäftsführer persönlich – zugerechnet.
- Rechtsformen: Zu den juristischen Personen des privaten Rechts zählen Kapitalgesellschaften (AG, GmbH, KGaA) sowie rechtsfähige Vereine und Genossenschaften.
- Vorteil: Die Gesellschafter haften grundsätzlich nur mit dem Gesellschaftsvermögen; eine persönliche Haftung ist grundsätzlich ausgeschlossen (Haftungsbeschränkung).
Selbsttest: Juristische Person
Aufgabe: Juristische Person einordnen
Ordnen Sie die folgenden Unternehmensformen jeweils als „juristische Person“ oder „keine juristische Person“ ein und begründen Sie Ihre Entscheidung in einem Satz.
a) GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)
b) Einzelunternehmen
c) AG (Aktiengesellschaft)
d) eingetragener Verein (e. V.)
a) GmbH – Juristische Person (§ 13 GmbHG): Die GmbH ist eine eigenständige Kapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung; sie handelt als Rechtssubjekt.
b) Einzelunternehmen – Keine juristische Person: Der Inhaber und das Unternehmen sind rechtlich identisch; er haftet persönlich und unbeschränkt.
c) AG – Juristische Person (§ 1 AktG): Die AG hat eigene Rechtspersönlichkeit; die Aktionäre haften nur mit ihrer Einlage.
d) e. V. – Juristische Person (§ 21 BGB): Ein eingetragener Verein erlangt durch die Eintragung ins Vereinsregister Rechtsfähigkeit.