Definition
Bei den Kennzahlen der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) werden einzelne Posten (zum Beispiel Umsatzerlöse) oder Zwischensummen (zum Beispiel EBIT bzw. Betriebsergebnis) ausgewertet, um die Ertragslage eines Unternehmens zu analysieren.
Dabei geht es um die Profitabilität und Kostenstruktur.
Viele der Kennzahlen setzen zwei Posten der GuV in Beziehung zueinander; das ist sinnvoll, da die absolute Höhe der Posten (Euro-Beträge) wenig aussagekräftig ist.
Beträgt der Materialaufwand eines Unternehmens laut GuV zum Beispiel 6 Mio. €, ist diese nackte Information wenig ergiebig.
Setzt man den Materialaufwand aber ins Verhältnis zum Umsatz von zum Beispiel 10 Mio. € und erhält damit die Materialaufwandsquote von 60 %, lässt sich dies mit anderen Unternehmen aus derselben Branche vergleichen.
Beschränkung auf GuV
Der Jahresabschluss eines Kaufmanns / Unternehmens besteht nach § 242 HGB mindestens aus einer Bilanz und einer Gewinn- und Verlustrechnung.
Bei den Kennzahlen der GuV beschränkt man sich auf die Zahlen aus der Gewinn- und Verlustrechnung, während man bei anderen Kennzahlen auch Zahlen der Bilanz nutzt, um beispielsweise eine Rentabilität des Kapitals zu berechnen.
Abhängigkeit vom GuV-Schema
Für die Aufstellung einer Gewinn- und Verlustrechnung gibt es für Kapitalgesellschaften wie GmbH oder AG zwei Möglichkeiten:
- nach dem Gesamtkostenverfahren (GKV), § 275 Abs. 2 HGB, und
- nach dem Umsatzkostenverfahren (UKV), § 275 Abs. 3 HGB.
Je nach dem vom Unternehmen gewähltem Schema lassen sich manche GuV-Kennzahlen berechnen, andere nicht.
So ist beispielsweise die Kennzahl Gesamtleistung eine Zusammenfassung der ersten drei GuV-Posten des Schemas nach dem Gesamtkostenverfahren; für das GuV-Schema nach dem Umsatzkostenverfahren gibt es diese Kennzahl nicht.
Die Kennzahl Bruttoergebnis vom Umsatz hingegen ist eine Zwischensumme in der GuV nach dem Umsatzkostenverfahren (Posten Nr. 3, § 275 Abs. 3 HGB); im Gesamtkostenverfahren gibt es diese Kennzahl nicht.
Manchmal muss man die Daten nur unterschiedlich zusammensuchen: so sind die Abschreibungen im GKV unmittelbar ablesbar; falls das UKV vorliegt, muss man die Höhe der Abschreibungen dem Anlagenspiegel (im Anhang des Jahresabschlusses) entnehmen.
Übersicht
Hier eine Übersicht über die gängigsten GuV-Kennzahlen in alphabetischer Reihenfolge:
Lernziele
Nach diesem Abschnitt können Sie …
- zentrale GuV-Kennzahlen wie EBIT, EBITDA, NOPAT und Zinsdeckungsgrad berechnen und interpretieren.
- Aufwandsquoten — Materialaufwandsquote, Personalaufwandsquote und Abschreibungsintensität — aus GuV-Daten ermitteln und einordnen.
- Unterschiede zwischen Bruttoergebnis, EBIT und Jahresüberschuss sowie zwischen NOPAT und NOPLAT erläutern.
- historisch entfallene Posten wie das außerordentliche Ergebnis und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in ihren gesetzlichen Kontext einordnen.
Übersicht
- AbschreibungsintensitätAnteil der Abschreibungen an der Gesamtleistung; Vergleichsmaßstab für anlagenintensive Branchen
- Außerordentliches ErgebnisSeit BilRUG 2016 entfallen; ehemaliger GuV-Posten für nicht wiederkehrende Ereignisse
- Bruttoergebnis vom UmsatzUmsatz minus Herstellungskosten im UKV; Basis für die Bruttomarge
- BruttomargeBruttoergebnis im Verhältnis zum Umsatz; zeigt die Fertigungs- und Preiseffizienz
- Cost-Income-RatioVerwaltungsaufwand je Euro Ertrag; Effizienzmaßstab für Banken und Kreditinstitute
- EBIT / BetriebsergebnisOperative Ertragskraft vor Zinsen und Steuern; unabhängig von der Finanzierungsstruktur
- EBITAEBIT bereinigt um Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände; relevant nach Unternehmensübernahmen
- EBITDABetriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und allen Abschreibungen; Annäherung an den operativen Cashflow
- EBTJahresergebnis vor Ertragsteuern; umfasst EBIT und Finanzergebnis
- Ergebnis der gewöhnlichen GeschäftstätigkeitSeit BilRUG 2016 entfallen; historischer Posten aus EBIT plus Finanzergebnis
- Ergebnis je AktieJahresüberschuss je im Umlauf befindlicher Aktie; Grundlage für das Kurs-Gewinn-Verhältnis
- FinanzergebnisSaldo aus finanziellen Erträgen und Aufwendungen; verbindet EBIT mit dem Ergebnis vor Steuern
- GesamtleistungUmsatz plus Bestandsveränderungen plus aktivierte Eigenleistungen im Gesamtkostenverfahren
- MaterialaufwandsquoteAnteil des Materialaufwands an der Gesamtleistung; branchenspezifischer Effizienzindikator
- NOPATBetriebsgewinn nach Steuern ohne Finanzierungseinfluss; Basis für den Economic Value Added
- NOPLATOperativer Gewinn mit adjustierten Steuern; wichtige Eingangsgröße im DCF-Bewertungsverfahren
- OPEXLaufende Betriebsaufwendungen, die sofort als Aufwand in die GuV eingehen
- PersonalaufwandsquoteAnteil der Personalkosten an der Gesamtleistung; Maß für die Arbeitsintensität eines Unternehmens
- ProfitabilitätFähigkeit, dauerhaft operative Gewinne zu erzielen; Abgrenzung zur Rentabilität
- RohergebnisZusammengefasste GuV-Zwischensumme nach § 276 HGB für kleine und mittlere Kapitalgesellschaften
- ZinsdeckungsgradEBIT im Verhältnis zum Zinsaufwand; zeigt die Zinszahlungsfähigkeit gegenüber Gläubigern