Definition
Lieferantenauswahl ist ein Teil des Lieferantenmanagements: Ein Unternehmen bewertet potenzielle Lieferanten anhand festgelegter Kriterien und entscheidet, welche davon intern als zugelassene Lieferanten geführt werden.
Ziel ist es, Kosten zu senken und gleichzeitig Risiken zu minimieren – ein Lieferant, der schlechte Qualität liefert oder unzuverlässig ist, schadet dem eigenen Produkt und Ruf.
Alternative Begriffe: Lieferantenqualifizierung.
Warum Lieferantenauswahl wichtig ist
Die Wahl des richtigen Lieferanten hat strategische Tragweite:
- Zugekaufte Teile beeinflussen unmittelbar Qualität und Sicherheit des eigenen Produkts; Mängel werden dem Endproduzenten angelastet, nicht dem Zulieferer.
- Lieferanten lassen sich nicht schnell ersetzen, besonders wenn sie spezifische, auf das Unternehmen zugeschnittene Teile fertigen.
- Lieferantenbeziehungen sind oft langfristig und begleiten ein Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus.
Beispiel
Ein Autobauer lässt für Reifen eines Oberklasse-Modells genau zwei Reifenhersteller zu. Nur von diesen dürfen die benötigten Reifen bezogen werden. Da die Lieferanten eng in die Qualitätsentwicklung eingebunden sind, sind sie kurzfristig nicht austauschbar.
Auswahlkriterien
Vor der Freigabe eines Lieferanten werden Leistungsfähigkeit und Rahmenbedingungen geprüft:
| Kategorie | Kriterien (Beispiele) |
|---|---|
| Qualität | Fehlerquote, ISO-Zertifizierung, Ergebnisse aus Probelieferungen |
| Kosten | Einkaufspreis, Zahlungsbedingungen, Gesamtkosten über Lebensdauer (TCO) |
| Lieferperformance | Pünktlichkeit, Lieferzeit, Flexibilität bei Mengenänderungen |
| Unternehmen | Wirtschaftliche Stabilität, Innovationsfähigkeit, Produktionskapazität |
| Nachhaltigkeit | Umweltzertifizierung, Einhaltung von Menschenrechten, CO2-Fußabdruck |
Informationsquellen: Beschaffungsmarktforschung, Lieferantenselbstauskunft, Probelieferungen, Werksbesichtigungen, Lieferantenaudit.
Auswahlverfahren und Lieferantenanzahl
Zum strukturierten Vergleich mehrerer Lieferanten nach gewichteten Kriterien eignet sich die Nutzwertanalyse: Jedes Kriterium erhält eine Gewichtung, die Lieferanten werden benotet, und die gewichteten Punkte ergeben eine Gesamtnote – die Grundlage für die Zulassungsentscheidung.
Wie viele Lieferanten zugelassen werden, hängt von der Beschaffungsstrategie ab: Single Sourcing (einer), Dual Sourcing (zwei) oder Multiple Sourcing (mehrere). Bei bestehenden Lieferanten fließen die aktuellen Ergebnisse der Lieferantenbewertung mit in die Entscheidung ein.
Fazit
- Die Lieferantenauswahl legt fest, welche Lieferanten ein Unternehmen intern „zulässt" – auf Basis von Kriterien wie Qualität, Kosten, Lieferperformance, wirtschaftlicher Stabilität und Nachhaltigkeit.
- Die Entscheidung hat langfristige Wirkung: Lieferantenbeziehungen sind schwer reversibel, und Qualitätsmängel eines Zulieferers werden dem Endproduzenten angelastet.
- Zur strukturierten Bewertung mehrerer Kandidaten eignet sich die Nutzwertanalyse – mit gewichteten Kriterien und einer vergleichbaren Punkteskala.
- Wie viele Lieferanten zugelassen werden, bestimmt die Beschaffungsstrategie: von Single Sourcing (ein Lieferant, maximale Abhängigkeit) bis Multiple Sourcing (mehrere Lieferanten, geringste Abhängigkeit).