Definition
Lieferantenbewertung ist ein Teil des Lieferantenmanagements: Ein Unternehmen bewertet seine aktiven Lieferanten systematisch und regelmäßig nach festgelegten Kriterien.
Die Ergebnisse dienen als Grundlage für Entscheidungen über Auftragsvergabe, Lieferantenentwicklung oder Ausmusterung.
Alternative Begriffe: Lieferantenbeurteilung.
Bewertungskriterien
Die konkreten Kriterien und ihre Gewichtung variieren je nach Unternehmen und Branche. Typische Oberkategorien:
| Oberkategorie | Mögliche Unterkriterien |
|---|---|
| Qualität | Fehlerquote, Reklamationsquote, ISO-Zertifizierung |
| Lieferperformance | Liefertreue (pünktlich/vollständig), Reaktionszeit bei Störungen |
| Kosten | Preisstabilität, Einhaltung vereinbarter Konditionen |
| Flexibilität & Service | Reaktion auf Mengenänderungen, Kommunikationsqualität |
| Innovation | Innovationsfähigkeit, Investitionsbereitschaft in neue Technologien |
Neben harten Kennzahlen fließen auch weiche Faktoren ein: Kulanz bei Problemen, strategische Passung, Verlässlichkeit der Kommunikation.
Bewertungsverfahren
Das Verfahren ähnelt einer Nutzwertanalyse: Jede Oberkategorie erhält eine Gewichtung (z. B. Qualität 30 %, Kosten 40 %, Innovation 30 %). Innerhalb der Kategorien werden Unterkriterien ebenfalls gewichtet und mit Punktzahlen belegt. Das Ergebnis ist eine Gesamtnote.
Beispiel
Ein Unternehmen bewertet Lieferanten mit drei Oberkategorien: Qualität (Gewicht: 30 %), Kosten (40 %), Innovation (30 %).
Unterkriterium der Qualität: Fehlerrate (Gewicht innerhalb Qualität: 50 % → Gesamtgewicht: 15 %), Reklamationsquote (20 % → 6 %), ISO-Zertifizierung (30 % → 9 %).
Lieferant A erreicht 85 von 100 Punkten → A-Lieferant (bevorzugt); Lieferant B 62 Punkte → B-Lieferant (akzeptabel); Lieferant C 38 Punkte → C-Lieferant (kritisch).
Ergebnis: A/B/C-Klassifizierung
Auf Basis der Gesamtnote werden Lieferanten klassifiziert:
- A-Lieferanten (bevorzugt): erfüllen Kriterien nahezu vollständig; erhalten bevorzugt Aufträge, werden in Entwicklungsprojekte einbezogen.
- B-Lieferanten (akzeptabel): solide Leistung mit Verbesserungspotenzial; Lieferantenentwicklung durch Zielvereinbarungen sinnvoll.
- C-Lieferanten (kritisch): erhebliche Mängel; es folgen Verbesserungsgespräche oder, wenn ohne Ergebnis, Ausmusterung.
Die Bewertungsergebnisse werden den Lieferanten i. d. R. mitgeteilt – Transparenz schafft Verbesserungsanreize und macht Erwartungen klar.
Fazit
- Die Lieferantenbewertung beurteilt aktive Lieferanten regelmäßig und systematisch nach gewichteten Kriterien – typischerweise Qualität, Lieferperformance, Kosten und Innovation.
- Das Verfahren ähnelt einer Nutzwertanalyse: Kriterien werden gewichtet und mit Punktzahlen belegt; das Ergebnis ist eine Gesamtnote.
- A-Lieferanten (bevorzugt) erhalten mehr Aufträge; B-Lieferanten werden gezielt entwickelt; C-Lieferanten müssen sich verbessern oder werden ausgemustert.
- Die Ergebnisse werden den Lieferanten kommuniziert – Transparenz schafft Verbesserungsanreize und definiert gemeinsame Erwartungen.