Definition
Die ABC-Analyse klassifiziert Artikel, Materialien oder Kunden nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in drei Klassen: A (sehr wichtig), B (wichtig) und C (weniger wichtig). Sie basiert auf dem Pareto-Prinzip: ein kleiner Teil der Artikel verursacht den Großteil der Kosten.
In der Beschaffung wird die ABC-Analyse eingesetzt, um knappe Ressourcen – Zeit, Kapital und Aufmerksamkeit – gezielt auf die wertintensivsten Einkaufspositionen zu lenken.
Alternative Begriffe: A-B-C-Analyse; Pareto-Analyse.
ABC-Klassifizierung in der Materialwirtschaft
Grundlage der Klassifizierung ist der Anteil am gesamten Einkaufswert (= Jahresverbrauch × Einstandspreis). Typische Richtwerte:
| Klasse | Anteil am Einkaufswert | Anteil an den Artikeln | Beschaffungsmaßnahme |
|---|---|---|---|
| A | ca. 70–80 % | ca. 10–20 % | Enge Lieferantenbindung, Just-in-Time, regelmäßige Preisverhandlung |
| B | ca. 15–25 % | ca. 30–40 % | Rahmenverträge, periodische Überprüfung |
| C | ca. 5–10 % | ca. 50–70 % | Rahmenverträge, automatische Nachbestellung, wenig Aufwand |
Die Klassengrenzen sind Richtwerte und können je nach Branche und Unternehmen abweichen. Entscheidend ist das Verhältnis: wenige A-Artikel binden den Großteil des Budgets.
Vorgehen
Die ABC-Analyse wird in vier Schritten durchgeführt:
- Einkaufswert berechnen: Jahresverbrauch × Einstandspreis je Artikel
- Absteigend sortieren: Artikel nach Einkaufswert von groß nach klein ordnen
- Kumulierten Anteil berechnen: prozentualen Anteil am Gesamteinkaufswert aufaddieren
- Klassen zuweisen: Schwellenwerte festlegen und A/B/C vergeben
Beispiel
Ein Unternehmen analysiert seine eingekauften Materialien und stellt fest:
- 10 % der Artikel (A-Teile) machen 70 % des Einkaufswerts aus – teure Rohmaterialien, Motoren, Elektronikkomponenten
- 30 % der Artikel (B-Teile) machen 20 % des Einkaufswerts aus – Halbfertigteile, Standardkomponenten
- 60 % der Artikel (C-Teile) machen 10 % des Einkaufswerts aus – Schrauben, Dichtungen, Büromaterial
Ergebnis: Für A-Teile lohnen intensive Lieferantenverhandlungen und Just-in-Time-Beschaffung. C-Teile werden über Rahmenverträge mit automatischer Nachbestellung abgewickelt.
Anwendungsgebiete
Die ABC-Analyse ist in vielen Bereichen einsetzbar:
- Materialwirtschaft: Klassifizierung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sowie Zukaufteilen nach Einkaufswert
- Kundenbewertung: A-Kunden (hoher Umsatz/hohe Marge) erhalten persönliche Betreuung, C-Kunden werden über Self-Service bedient
- Lagerhaltung: A-Artikel erhalten privilegierte Lagerplätze und engere Bestandsüberwachung
- Kombination mit XYZ-Analyse: ABC (Wert) + XYZ (Bedarfsmuster) ergibt eine 3×3-Matrix für differenzierte Beschaffungsstrategien
Fazit
- Die ABC-Analyse klassifiziert Artikel nach Einkaufswert – A-Teile machen ca. 70–80 % des Werts bei nur 10–20 % der Artikel aus (Pareto-Prinzip).
- A-Teile erfordern intensive Betreuung (JiT, Lieferantenbindung), C-Teile werden mit minimalem Aufwand über Rahmenverträge beschafft.
- Das Vorgehen: Einkaufswert berechnen → absteigend sortieren → kumulierten Anteil ermitteln → A/B/C zuweisen.
- Kombiniert mit der XYZ-Analyse (Bedarfsmuster) entsteht eine differenzierte Beschaffungsstrategie je Artikelklasse.
Selbsttest: ABC-Analyse
Aufgabe: ABC-Analyse durchführen
Ein Maschinenbauunternehmen kauft die folgenden 10 Materialien ein (Jahreseinkaufswert in €).
| Material | Einkaufswert (€/Jahr) |
|---|---|
| Schrauben M8 | 5.000 |
| Steuerplatinen | 100.000 |
| Wälzlager | 25.000 |
| Elektromotoren | 200.000 |
| Schleifscheiben | 10.000 |
| Hydraulikzylinder | 50.000 |
| Schmiermittel | 20.000 |
| Kupferkabel | 40.000 |
| Dichtungsringe | 35.000 |
| Kabelbinder | 15.000 |
Führen Sie eine ABC-Analyse durch: Sortieren Sie die Materialien nach dem Einkaufswert (absteigend), berechnen Sie den prozentualen Anteil am Gesamteinkaufswert sowie den kumulierten Anteil, und weisen Sie jeder Position eine Klasse zu:
A: kumuliert bis 70 % · B: bis 90 % · C: bis 100 %
Gesamteinkaufswert: 500.000 €
| Rang | Material | Einkaufswert | Anteil | Kum. Anteil | Klasse |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Elektromotoren | 200.000 € | 40,0 % | 40,0 % | A |
| 2 | Steuerplatinen | 100.000 € | 20,0 % | 60,0 % | A |
| 3 | Hydraulikzylinder | 50.000 € | 10,0 % | 70,0 % | A |
| 4 | Kupferkabel | 40.000 € | 8,0 % | 78,0 % | B |
| 5 | Dichtungsringe | 35.000 € | 7,0 % | 85,0 % | B |
| 6 | Wälzlager | 25.000 € | 5,0 % | 90,0 % | B |
| 7 | Schmiermittel | 20.000 € | 4,0 % | 94,0 % | C |
| 8 | Kabelbinder | 15.000 € | 3,0 % | 97,0 % | C |
| 9 | Schleifscheiben | 10.000 € | 2,0 % | 99,0 % | C |
| 10 | Schrauben M8 | 5.000 € | 1,0 % | 100,0 % | C |
Ergebnis: 3 A-Artikel (Elektromotoren, Steuerplatinen, Hydraulikzylinder) binden 70 % des Einkaufswerts – sie erfordern intensive Lieferantenpflege und gegebenenfalls Just-in-Time-Beschaffung. 3 B-Artikel decken weitere 20 % ab. Die 4 C-Artikel (Schmiermittel bis Schrauben) machen zusammen nur 10 % aus und werden beispielsweise über Rahmenverträge mit automatischer Nachbestellung abgewickelt.