Make or Buy Definition
Make or Buy – deutsch: Eigenfertigung oder Fremdbezug – ist die Frage bzw. Entscheidung, ob ein produzierendes Unternehmen Bestandteile seiner Produkte selbst herstellen oder von Lieferanten zukaufen soll (zum Beispiel ein Autobauer Getriebe oder Motoren).
Alternative Begriffe: Make-or-Buy-Entscheidung.
Aspekte der Make-or-Buy-Entscheidung
Dabei spielen mehrere Aspekte eine Rolle:
- Kann das Unternehmen die benötigten Teile überhaupt selbst herstellen? (kann der Bäcker das Mehl selbst herstellen?)
- Hat das Unternehmen freie Kapazitäten (sind Arbeiter und Maschinen verfügbar?) – oder muss erst investiert werden?
- Strategisch: Bestehen im Fall von „Buy" Abhängigkeiten vom Lieferanten? Handelt es sich um Kernkompetenzen, die das Unternehmen nicht verlagern sollte?
- Kann der Lieferant die geforderte Qualität dauerhaft und zuverlässig liefern?
- Kostenrechnung: Ist die eigene Herstellung günstiger als der Zukauf? Lieferanten haben durch höhere Stückzahlen oft geringere Kosten, schlagen aber Gewinnmargen auf.
Operativ und strategisch
Die Make-or-Buy-Entscheidung wird teils operativ für einzelne Bauteile und teils strategisch auf Unternehmensebene getroffen.
Unternehmen fahren dabei sehr unterschiedliche Strategien: Manche kaufen fast alles zu (hohe Fremdbezugsquote), andere stellen bis hin zu Einzelteilen das meiste selbst her – mit entsprechend hoher Fertigungstiefe.
Fertigungstiefe als Kennzahl
Die Fertigungstiefe gibt an, wie hoch der Eigenanteil an der Wertschöpfung ist. Fertigt ein Uhrenhersteller Gehäuse, Uhrwerke, Zifferblätter, Zeiger und Armbänder selbst, ist die Fertigungstiefe hoch – mehr Make als Buy.
Quantitativer Kostenvergleich
Kostenrechnerisch wird die Make-or-Buy-Entscheidung durch einen Kostenvergleich gelöst. Die Gesamtkosten beider Varianten hängen von der Menge x ab:
| Variante | Kostenformel |
|---|---|
| Make (Eigenfertigung) | KMake = Kf + kv · x |
| Buy (Fremdbezug) | KBuy = p · x |
Kf = Fixkosten der Eigenproduktion (Maschinen, Werkzeuge) · kv = variable Stückkosten (Make) · p = Einkaufspreis (Buy) · x = Stückzahl pro Periode.
Die kritische Menge x* ist der Schnittpunkt beider Kostengeraden – ab hier ist Eigenfertigung günstiger:
x* = Kf ÷ (p − kv)
Beispiel
Ein Maschinenbauer prüft, ob er ein Hydraulikventil selbst fertigen oder zukaufen soll.
- Make: Fixkosten Kf = 80.000 €, variable Stückkosten kv = 15 €
- Buy: Einkaufspreis p = 35 € pro Stück
- Kritische Menge: x* = 80.000 ÷ (35 − 15) = 80.000 ÷ 20 = 4.000 Stück
Ergebnis: Bis 3.999 Stück/Jahr ist Fremdbezug günstiger; ab 4.000 Stück/Jahr lohnt Eigenfertigung.
Strategische Aspekte
Neben den Kosten spielen qualitative Faktoren eine wichtige Rolle:
- Kernkompetenzen: Tätigkeiten, die zum Wettbewerbsvorteil beitragen, sollten intern bleiben – auch wenn Fremdbezug kurzfristig günstiger wäre.
- Abhängigkeitsrisiko: Beim Zukauf entsteht Lieferantenabhängigkeit; Engpässe oder Preiserhöhungen können die eigene Produktion gefährden.
- Flexibilität: Eigenfertigung bietet mehr Kontrolle über Qualität und Kapazität; Fremdbezug ermöglicht schnellere Anpassung an Nachfrageschwankungen.
- Total Cost of Ownership (TCO): Der Einkaufspreis allein genügt nicht – Transaktionskosten, Qualitätskosten und Lieferrisiken müssen einbezogen werden.
Fazit
- Make or Buy ist die Entscheidung, ob ein Unternehmen Teile selbst fertigt oder zukauft – zentrales Thema in Beschaffung und Kostenrechnung.
- Der Kostenvergleich liefert die kritische Menge x* = Kf ÷ (p − kv): bis x* ist Fremdbezug günstiger, ab x* Eigenfertigung.
- Strategisch entscheidend sind Kernkompetenzen, Abhängigkeitsrisiko, Flexibilität und die Gesamtkosten (TCO) – nicht nur der Einkaufspreis.
- Die Fertigungstiefe misst den Eigenfertigungsanteil und zeigt den Grad der vertikalen Integration.
Selbsttest: Make or Buy