Definition
Die Liquiditätspräferenztheorie ist ein Ansatz, die (normale) Zinsstrukturkurve zu erklären.
Die normale, steigende Zinsstruktur (außer normal = steigend kann sie flach oder invers = fallend sein) ist so, dass die Zinssätze für längerfristige Geldanlagen (z.B. 5, 7 oder 10 Jahre) höher sind als die für kurzfristige Anlagen (1 bis 2 Jahre); die Zinsstrukturkurve, die in einem Diagramm auf der waagrechten x-Achse die Laufzeit und auf der senkrechten y-Achse den dazugehörigen Zinssatz ausweist, steigt.
Die Liquiditätspräferenztheorie als eine der möglichen Erklärungen dafür besagt, dass Investoren kurzfristige Anlagen, die schneller wieder in Liquidität / Geld gewandelt werden können, gegenüber langfristigen bevorzugen, da ihr Risiko kleiner ist (wer kann schon weit in die Zukunft blicken: kann der Schuldner in 10 Jahren zurückzahlen? 1 bis 2 Jahre sind eher absehbar).
Anleger verlangen deshalb für längere Laufzeiten i.d.R. eine Liquiditätsprämie, d.h. höhere Zinsen.
Fazit
Die Liquiditätspräferenztheorie erklärt die normale, steigende Zinsstrukturkurve damit, dass Anleger kurzfristige Liquidität bevorzugen und für längere Kapitalbindung eine Prämie verlangen. Sie ist einer von mehreren Erklärungsansätzen — daneben existieren z. B. die Erwartungstheorie und die Marktsegmentierungstheorie.
Selbsttest: Liquiditätspräferenztheorie
Aufgabe: Liquiditätsprämie berechnen
Eine Staatsanleihe mit 1 Jahr Laufzeit bringt 2,5 % Zins. Eine Staatsanleihe desselben Emittenten mit 5 Jahren Laufzeit bringt 3,5 %.
- Welche Zinsstruktur liegt vor?
- Wie erklärt die Liquiditätspräferenztheorie diesen Unterschied?
- Wie hoch ist die Liquiditätsprämie?
Lösung
1. Zinsstruktur:
Normale (steigende) Zinsstruktur — der Zins steigt mit der Laufzeit.
2. Erklärung:
Anleger bevorzugen die kürzere Laufzeit, weil sie schneller wieder Liquidität erlangen und das Risiko (Ausfall, Zinsänderung) geringer ist. Für die 5-jährige Kapitalbindung verlangen sie deshalb eine Liquiditätsprämie.
3. Liquiditätsprämie:
3,5 % − 2,5 % = 1,0 Prozentpunkte